55 Jahre Fachschule Technik an der BS16 (ehem. G9)
1896: Ursprung der Wagenbauschule
Vor 130 Jahren wurde in Hamburg die Wagenbauschule gegründet und stand ganz im Zeichen des klassischen Handwerks. Schmiede, Stellmacher und andere Fachkräfte nutzten die Möglichkeit, ihre praktischen Fähigkeiten durch theoretisches Wissen zu erweitern. Fächer wie Fachzeichnen und Konstruktionslehre eröffneten neue Perspektiven und legten den Grundstein für eine systematischere Herangehensweise an den Fahrzeugbau.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Wagenbauschule kontinuierlich weiter und passte sich den technischen und industriellen Veränderungen an. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg gewann die Weiterbildung an Bedeutung, da der Wiederaufbau und die fortschreitende Industrialisierung neue Anforderungen an Konstruktion und Fertigung stellten.
Eine prägende Rolle spielte dabei Hans Bohnsack, der die Schule in einer Phase des Umbruchs von 1953 bis 1969 leitete. Unter seiner Führung wurden Strukturen geschaffen, die den steigenden Anforderungen an die Weiterbildung gerecht wurden. Gleichzeitig wurde die enge Verbindung zur damaligen Gewerbeschule IX (G9) weiterentwickelt und bereits 1963 eine organisatorische Trennung eingeleitet.
Zwei Wege aus einer Tradition: Fachschule Technik und HAW
Diese Weiterentwicklung mündete schließlich 1971 darin, dass zwei eigenständige Bildungsinstitutionen hervorgingen, die fortan das Erbe der Wagenbauschule weitertragen.
Zum einen wurde unsere Fachschule Technik, Fachrichtung Karosserie- und Fahrzeugbautechnik, zur praxisorientierten, beruflichen Weiterbildung gegründet.
Zum anderen entstand die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) mit ihrem akademischen Angebot im Bereich Fahrzeugtechnik.
Lernen des digitalen Konstruktionsprozesses
Heute steht unsere Fachschule für eine moderne, praxisnahe Weiterbildung zur staatlich geprüften Technikerin bzw. zum staatlich geprüften Techniker. In zwei Jahren Vollzeitunterricht erwerben die Studierenden umfassende Kompetenzen, die sie u. a. für Tätigkeiten in Entwicklung, Konstruktion und Fertigung qualifizieren.
Die Inhalte der Karosseriekonstruktion bilden dabei weiterhin das Fundament der Weiterbildung. Gleichzeitig hat sich die Art des Arbeitens grundlegend verändert: Das klassische Zeichnen am Zeichenbrett ist durch digitale Konstruktionsmethoden ersetzt worden.
Mit professionellen CAD-Systemen werden komplexe Bauteile und Baugruppen modelliert. Die Studierenden durchlaufen dabei alle Phasen des Konstruktionsprozesses und arbeiten in höheren Semestern an Projekten, die reale Anforderungen widerspiegeln. So entsteht eine enge Verbindung zwischen Theorie und praktischer Anwendung.
Doch wo genau werden die Absolventinnen und Absolventen nach der Weiterbildung eingesetzt? Mögliche Arbeitsfelder oder Tätigkeiten können in den Berichten der Ehemaligen nachgelesen werden.
Ausblick in die Zukunft
Der Fahrzeugbau steht heute erneut vor tiefgreifenden Veränderungen: neue Antriebe, innovative Materialien und veränderte Anforderungen führen zu neuen Denkansätzen und Prozessen. Gleichbleibend ist jedoch die zentrale Fähigkeit, Technik zu verstehen und aktiv zu gestalten – genau in diesem Spannungsfeld arbeiten und lernen die Studierenden unserer Fachschule.
Auch die Fachschule selbst unterliegt dem permanenten Wandel der Technik und vollzieht einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Aktuell wird das Curriculum seitens des Lehrerteams überarbeitet, um die Weiterbildung noch praxisnäher zu gestalten und optimal auf die Anforderungen der sich stetig verändernden Arbeitswelt abzustimmen. Die Weiterbildung wird künftig noch stärker projektorientiert ausgerichtet sein. Projekte werden mehrere Lernfelder gleichzeitig verbinden und komplexe Aufgabenstellungen beinhalten. Dadurch rückt die praktische Anwendung noch stärker in den Mittelpunkt des Lernens. Mit der Einführung des neuen Curriculums (voraussichtlich 2027) wird die Fachschule Technik einen weiteren Schritt in Richtung einer modernen, integrierten und praxisnahen Weiterbildung gehen.
So bleibt die Tradition der Wagenbauschule lebendig – nicht als Rückblick, sondern als Grundlage für die Zukunft.
Text: M. Gospos
Bilder: C. Burmester, M. Gospos
